Nahaufnahme von Seilzügen am hinteren Teil einer gelben Vespa.

Vespa Seilzüge: Gut eingestellt ist halb gezogen

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Bei den neueren Vespa-Modellen ab den 2000er-Jahren wurde komplett auf herkömmliche Seilzüge verzichtet. Die Gründe für diesen Fortschritt waren dabei ebenso nötig wie überflüssig. Bei der alten Technik unserer handgeschalteten Vespas wurden verschiedene Seilzüge verbaut, um die Bedienung des Rollers sicherstellen zu können. Die langen und teilweise umständlich am und im Rahmen verlegten Züge unterliegen mehr oder weniger hohen Wartungsintervallen. Um diese Zeit für Wartung und Reparatur in Zukunft eher zum Fahren nutzen zu können, sind im Folgenden zahlreiche Informationen und hilfreiche Tipps aufgeführt.

Verschiedene Ausführungen – andere Aufgaben

An den verschiedenen Modellreihen der Vespas sind die Längen und Ausführungen oftmals unterschiedlich, wobei die Aufgaben stets dieselben sind. Bei den Modellen vor der PK-Reihe ist überwiegend eine 2-Zug-Schaltung verbaut. Dafür müssen zwei Gangzüge verbaut werden, um die Schaltwippe vom Lenker aus betätigen zu können. Im gleichen Vorgang muss auch die Kupplung betätigt werden, was durch den Kupplungszug ebenfalls am Lenker erreicht wird. Diese drei Seilzüge verlaufen somit vom Lenker bis nach hinten zum Motorblock. Ebenfalls vom Lenker ausgehend ist der Gaszug, mit welchem der Gasgriff immer wieder zurückgestellt wird. Darüber hinaus ist ein Chokezug verbaut, um den Choke am Vergaser vor dem Startvorgang zu betätigen. Zusätzlich werden die beiden Trommelbremsen jeweils durch einen Seilzug betätigt.

Saubere Einstellung und große Wirkung

Von vielen VespafahrerInnen wird die Wichtigkeit sauber eingestellter Seilzüge immer wieder verkannt. Doch gut gepflegte Seilzüge erhöhen den Fahrkomfort und die Sicherheit. So lassen sich durch gut eingestellte Bremszüge die Bremsleistungen der beiden Trommelbremsen merklich steigern. Auch die Schaltung lässt sich bei einer ordentlichen Einstellung besser und präziser betätigen, da der zurücklegende Weg geringer ist. Ähnlich ist es beim Kupplungszug, der gut abgestimmt weniger Kraft und Hebelweg erfordert.

Bezüglich der Einstellung sind am Roller Schrauben verbaut, die eine ordnungsgemäße Justierung ermöglichen. Beim Vorderrad wurde dafür an der Bremsgrundplatte eine Nachstellschraube eingebaut, während sich am Hinterrad eine Stellschraube befindet.

Bei der Schaltung ist die Einstellung etwas komplexer, mit etwas Geschick aber auch hier leicht zu erledigen. Zunächst muss in den Leerlauf geschalten werden. Im Anschluss müssen die beiden Markierungen am Schalthebel genau nebeneinander liegen. Hilfreich ist jetzt ein Helfer, der den Schalthebel festhält, damit sich dieser nicht mehr bewegen kann. Nun können die Seilzüge am Motorgehäuse herausgezogen werden. Davor müssen noch die beiden Klemmschrauben, welche die Züge fixieren, gelöst werden. Teilweise ist es zuvor noch nötig, eine Abdeckung abzuschrauben, welche die Schaltklaue vor Schmutz schützt.

Nun können die neuen Züge eingeführt und jeweils festgezogen werden.

Um die Schaltung nun testen zu können, ist es sehr zu empfehlen, den Roller zuvor einen Meter nach vorne oder hinten zu schieben.

Etwas leichter ist die Einstellung beim Choke-, Gas- und Kupplungszug. Hier ist vor allem darauf zu achten, dass der Zug straff eingebaut wird. Zugleich sollten die Züge aber nicht zu fest angezogen werden, um die Lebensdauer nicht unnötig zu verkürzen. Die optimale Einstellung ist auch hier leicht nach Gefühl zu bewältigen.

Regelmäßige Wartung und Austausch erforderlich

Dass eine regelmäßige Wartung der Seilzüge erforderlich ist, sollte jeder und jedem bewusst sein. Insbesondere bei den Bremsen liegt die Bremswirkung mit an der Einstellung der Bremszüge. Im schlimmsten Fall kann eine mangelnde Bremswirkung einen Unfall oder Sturz zur Folge haben. Neben den Zügen selbst sind die Außenhüllen, welche den Zug gleiten lassen, oftmals von den Witterungseinflüssen sehr porös und marode. In diesen Fällen sollten diese selbstverständlich auch ausgetauscht werden. Im Allgemeinen sind Seilzüge wohl eines der günstigsten Ersatzteile bei einer Vespa und sollten demnach lieber einmal mehr als zu wenig gewechselt werden. Besonders haltbar und nützlich sind die speziellen Seilzugkits von SIP, welche nach vielen Recherchen und Tests so gebaut wurden, dass sie leicht zu betätigen sind und eine optimale Kraftübertragung gewährleisten.

Beim Einbau ist es meist empfehlenswert, gleich neue Schraubnippel und Einstellschrauben zu verwenden. Außerdem erhöht eine ordentliche Schmierung mit Fett oder Öl die Lebensdauer der Seilzüge. Ausnahme stellen dabei die Seilzughüllen aus PTFE dar, welche nicht mit Öl bzw. Fett geschmiert werden sollten.

Tipp: Vor allem auf längeren Touren sollte daher idealerweise auch ein Satz Ersatzzüge mit im Gepäck sein, um nicht wegen gerissener Seilzüge die Tour beenden zu müssen.
Alles in allem sind gut eingestellte Seilzüge mitverantwortlich für den Komfort und Spaß, den VespafahrerInnen bei den Touren gerne haben möchten.

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