Die Forderung war klar: Mehr Tempo für Kleinkrafträder – sicherer, moderner, sinnvoll. Trotz über 52.000 Unterschriften bleibt es bei 45 km/h für Fahrzeuge bis 50 ccm oder 6 PS. Der Vorstoß zur Tempoanhebung auf 60 km/h, unterstützt von SIP Scootershop, wurde vom Bundestag im Juni 2025 offiziell abgelehnt.
Für mehr Tempo
Am 24. Januar 2023 hat SIP Scootershop eine Petition ins Rollen gebracht, mit dem klaren Ziel, die zulässige Höchstgeschwindigkeit für Kleinkrafträder (bis 50 ccm) und elektrische Zweiräder (bis 4 kW bzw. 6 PS), die mit der Führerscheinklasse AM (im B-Schein enthalten) gefahren werden dürfen, von derzeit 45 km/h auf 60 km/h anzuheben.
Warum 60 km/h?
Die Petition wurde aus gutem Grund gestartet: Im Alltag zeigt sich immer wieder, dass Fahrzeuge mit 45 km/h häufig als Verkehrshindernis wahrgenommen werden, überholt wird oft riskant und knapp. Ein gleichmäßiges Mitschwimmen im innerstädtischen Verkehr ist damit praktisch unmöglich. Mehr Tempo bedeutet hier also auch: mehr Sicherheit und besserer Verkehrsfluss.
In Zeiten von immer strengeren Innenstadtkonzepten, knappen Parkplätzen und wachsendem Umweltbewusstsein wäre es ein logischer Schritt, das Zweirad als Alternative zum Auto attraktiver zu machen. Weniger Energieverbrauch, geringerer CO₂-Ausstoß, weniger Ressourcenverschleiß, es spricht vieles für den kleinen Umstieg mit großer Wirkung.
Über 50.000 Menschen haben unterschrieben
Am 23. Juni 2023 war es soweit, 52.155 Unterstützerinnen und Unterstützer hatten unterschrieben. Nach einigen Versuchen fand sich dann auch endlich ein politischer Fürsprecher. Bundestagsabgeordneter Volker Ullrich (CSU) erklärte sich im Juli 2023 bereit, die Petition stellvertretend entgegenzunehmen. Danach: lange Funkstille.
Plötzlich kam wieder Bewegung in die Sache. Im Januar 2025 griffen Michael Schümann und Dina Ludmann von „Motorrad Online“ das Thema erneut auf. Zwei Jahre nach Übergabe, am 10. Juli 2025, erhielt SIP Scootershop ein offizielles Schreiben von Dr. Hülya Düber (CSU), MdB und Vorsitzende des Petitionsausschusses des Bundestages. Die ernüchternde Botschaft: Am 26. Juni 2025 wurde entschieden, das Petitionsverfahren abzuschließen – eine höfliche Umschreibung für Ablehnung.
Enttäuschung über das politische Signal
Die Entscheidung des Bundestags, die Petition zur Anhebung der Höchstgeschwindigkeit für Kleinkrafträder abzulehnen, hat bei vielen Beteiligten für Unverständnis gesorgt. Die Ablehnung lässt Zweifel daran aufkommen, ob Sicherheit, Umweltaspekte und Mobilitätswandel wirklich im Mittelpunkt der verkehrspolitischen Agenda stehen, oder ob hier europäische Vorgaben als bequeme Ausrede dienen.
Ralf Jodl, Geschäftsführer von SIP Scootershop und Initiator der Petition, kritisiert die mangelnde politische Rückendeckung: „Diese Entscheidung belegt einmal mehr, dass die Fahrer und Fahrerinnen von Kleinkrafträdern keine Lobby in Deutschland und in der EU haben. Dabei macht ein einfacher Blick nach Asien deutlich, dass diese Fahrzeuge in Zukunft an Bedeutung gewinnen werden. Es ist traurig, dass die Sicherheit der Menschen ignoriert wird.“
Christian Laufkötter vom Vespa Club von Deutschland (VCVD) verweist auf eine wachsende Sicherheitslücke im urbanen Verkehr. Insbesondere leistungsstarke Elektroautos stellen aus Sicht des VCVD eine zunehmende Gefährdung für auf 45 km/h begrenzte Kleinkrafträder dar. Eine Anhebung der Höchstgeschwindigkeit auf 50 oder 60 km/h würde seiner Einschätzung nach deutlich zur Verkehrssicherheit beitragen. Die politische Ablehnung der Petition wird als Hinweis verstanden, dass sowohl Sicherheitsbedenken als auch der Wille der über 50.000 Unterstützerinnen und Unterstützer nicht ausreichend berücksichtigt wurden.
Vorschlag: Nationale Fahrerlaubnis „AM+“ für mehr Sicherheit
Eine mögliche Lösung wäre die Einführung einer ergänzenden Fahrerlaubnisklasse „AM+“, eine nationale Erweiterung, vergleichbar mit der Sonderregelung für den Mofa-Führerschein. Die bestehende EU-weite Klasse AM bliebe unangetastet, während die zusätzliche Klasse AM+ das Fahren von 50-ccm-Rollern mit bis zu 60 km/h ermöglichen könnte, idealerweise bereits ab 16 Jahren. Dieser Schritt würde insbesondere die Elektromobilität stärken, denn auch moderne Elektroroller sollen in diese Regelung ausdrücklich eingeschlossen sein. Gleichzeitig stellt sich die grundsätzliche Frage, ob die derzeitige Einteilung der Fahrzeugklassen noch überhaupt zeitgemäß ist.
Unabhängig vom politischen Ergebnis bedankt sich SIP Scootershop bei allen Unterstützerinnen und Unterstützern. Über 52.000 Menschen haben mit ihrer Unterschrift ein klares Zeichen gesetzt – für mehr Sicherheit, mehr Mobilität und eine faire Behandlung von Kleinkrafträdern im Straßenverkehr.
Was jetzt? Aktiv werden!
Der politische Prozess ist noch nicht zu Ende. Wer das Thema weiter voranbringen will, kann seinen direkt gewählten Bundestagsabgeordneten kontaktieren und auf die Problematik aufmerksam machen. Auf der Website des Deutschen Bundestages findet ihr die Kontaktdaten eurer Vertreter.
SIP Scootershop stellt zudem einen Musterbrief zur Verfügung, den ihr frei verwenden könnt.


